Der Inntaltunnel wurde als zentraler Bestandteil der Südumfahrung Innsbruck errichtet und im Jahr 1994 in Betrieb genommen. Er wurde elektrifiziert mit zwei Gleisen im Schotteroberbau ausgestattet. Bereits in der damaligen Planungsphase wurde er so konzipiert, dass eine zukünftige Anbindung des Brennerbasistunnel ohne wesentliche tunnelbautechnische Anpassungen möglich ist.
Mit dem Näherrücken der Ausrüstungsarbeiten im Brennerbasistunnel soll der Inntaltunnel ab dem Jahr 2028 in einer ersten Phase so adaptiert werden, dass Materialzulieferungen in den Brennerbasistunnel möglich sind. Während dieser Zeit wird in der Kaverne „Abzweigung Aldrans“ ein temporärer Baubahnhof eingerichtet der aus zwei Anschlussgleisen besteht. Damit können Züge Materialanlieferung und Abtransport für die Ausrüstung des Brennerbasistunnels abgestellt werden, ohne den laufenden Bahnbetrieb im Inntaltunnel zu beeinträchtigen. Parallel dazu wird im Inntaltunnel die seit mehr als dreißig Jahren in Betrieb befindliche Tunnelinfrastruktur teilweise erneuert und das derzeitige Tunnelsicherheitsniveau zwischen dem Portal Tulfes bis zur Anbindung des Brennerbasistunnels von Güterverkehr auf Mischverkehr angehoben. Geplant sind unter anderem die Verbreiterung der Randwege, die Ausstattung mit im Notfall beleuchteten Handläufen sowie die Modernisierung der elektro- und bahnsicherungstechnischen Anlagen. Ergänzend dazu werden abschnittsweise Sanierungen der Tunneldrainagen durchgeführt. Ein neu installiertes Weitspülsystem ermöglicht künftig Spülungen auch vom Rettungstunnel aus, sodass diese Arbeiten den laufenden Bahnverkehr nicht mehr beeinflussen werden. Der endgültige Umfang der Arbeiten wird derzeit im Zuge der technischen und wirtschaftlichen Analyse einzelner Maßnahmen weiter präzisiert. Diese laufende Evaluierung ist Teil der Projektbearbeitung und dient dazu, die Umsetzung optimal auf die bestehenden Rahmenbedingungen abzustimmen und die finanziellen Auswirkungen zu erfassen. Bis 2031 sollen die Ausrüstungsarbeiten im Brennerbasistunnel abgeschlossen sein. Der dann nicht mehr benötigte Baubahnhof wird rückgebaut und der Inntaltunnel erhält im Endzustand die vorgesehene Schieneninfrastruktur für den schnellfahrenden Mischverkehr. Züge können künftig bei Tulfes in den Inntaltunnel einfahren, über die Verbindungstunnel in den Brennerbasistunnel gelangen und diesen bei Franzensfeste wieder verlassen und umgekehrt. In den Verbindungstunneln erfolgt zudem die sichere Umstellung vom österreichischen Rechtsverkehr auf den italienischen Linksverkehr. Durch die Anbindung des Brennerbasistunnel an den Inntaltunnel entsteht eine durchgehende Eisenbahninfrastrukturanlage von ca. 64 Kilometern Länge. Dadurch kann der internationale Güterverkehr das Stadtgebiet Innsbruck umfahren und unter dem Brennerpass eine leistungsfähige, sichere und nachhaltige Verbindung zwischen Deutschland und Italien nutzen.
Thomas Gstreinthaler, BERNARD Gruppe
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