Ein extremes Hochwasserereignis Anfang Oktober in den westlichen und zentralen Bezirken (Dzongkhags) Bhutans führte unter anderem zu erheblichen Erosionen an Flussufern und damit einhergehend zu Hangrutschungen. Als Folge erlitt das Laufwasserkraftwerk Dagachhu erhebliche Schäden des Triebwasserwegs (Head Race Channel) und musste außer Betrieb genommen werden.
Die BERNARD Gruppe wurde unmittelbar um Unterstützung mit dem Ziel der raschen Wiederinbetriebnahme gebeten. Eine erste Analyse vor Ort zeigte, dass nicht nur die ehestmögliche Fortführung des Betriebs vorrangig zu betrachten ist, sondern auch eine resiliente, zukunftssichere und dauerhaft tragfähige Lösung gefunden werden muss. Hierzu zählen neben erforderlichen Sofortmaßnahmen der kontrollierte Rückbau der beschädigten Bauwerke, Stabilisierungsmaßnahmen des ca. 50 m hohen Hanges unterhalb des Triebwasserkanals, die Neuerrichtung des Triebwasserwegs sowie begleitende flussbauliche Maßnahmen. Durch die Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams bestehend aus Experten der Bereiche Geotechnik, Wasserbau, Wasserkraft und konstruktiver Ingenieurbau konnte noch im Dezember 2025 ein gesamthaftes Sanierungskonzept vorgestellt werden. Dieses umfasst flussbauliche Maßnahmen zur Stabilisierung des Gewässers, Sicherungsmaßnahmen im Bereich des geschädigten Hanges sowie die Neuerrichtung des Triebwasserwegs. Im Bereich des Flussbaus wurden am orographisch linken Ufer Buhnen zur Strömungslenkung errichtet. Zusätzlich erfolgte durch den Abtrag einer Ausbruchdeponie am orographisch rechten Ufer eine Verbreiterung des Flussquerschnitts, um die hydraulische Leistungsfähigkeit zu erhöhen und künftige Erosionen zu minimieren. Zur Hangsicherung wurden der Hangfuß und die Uferböschung mittels Steinschlichtungen stabilisiert. Die Wiederherstellung der Böschung erfolgte mit einem Böschungswinkel von 30°, ergänzt durch organische Erosionsschutzmatten und eine standortgerechte Begrünung. Der neue Triebwasserweg wurde als rund 220 m lange, beweglich gelagerte Stahlrohrleitung mit 4 m Durchmesser ausgeführt. Die Konstruktion berücksichtigt zusätzlich den möglichen Ausfall einzelner Auflager infolge weiterer Extremereignisse. Durch die gesetzten Maßnahmen konnte eine zukunftssichere Infrastruktur, die den steigenden Anforderungen an Klimaresilienz und Betriebssicherheit gerecht wird, geschaffen werden. Durch die Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten konnte das Kraftwerk in weniger als sieben Monate nach dem Ereignisfall, wieder in Betrieb genommen werden.
Markus Türtscher, BERNARD Gruppe